Artikel vom 22.12.2012 aus SÜDWEST PRESSE

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Gästetempo kippt TVN-Streitwagen um

Teils nicht schlecht gespielt, am Ende trotzdem chancenlos: Der TVN erfuhr gestern Abend beim 26:32 (13:16) gegen den SC Magdeburg, dass gegen bestimmte Gegner an manchen Tagen einfach nichts zu holen ist.

An Einsatz von Mannschaft und Zuschauern lag es gestern Abend in der Tübinger Paul-Horn-Arena nicht, dass dem TV Neuhausen nicht ein erneuter Husarenstreich gegen ein Bundesligatopteam, wie beim Remis gegen den HSV Hamburg, gelang. Die Gäste aus Sachsen-Anhalt, die früher als Gladiatoren bezeichneten Handballer des SC Magdeburg, konnten nicht auf den harten Arenaboden gestoßen werden. Die mit ausgezeichneten Individualisten gespickte Klassetruppe hielt das Tempo gestern Abend dermaßen hoch, dass dem TVN hin und wieder fast die Puste ausging. Kennzeichnend für diese Behauptung war die wohl spielentscheidende Phase zwischen der 33. und 39. Minute, als die Magdeburger binnen sechs Minuten mit einem 6:0-Torelauf die Felle der Einheimischen davonschwimmen ließen.

Obwohl die Neuhäuser vor 2217 Zuschauern keineswegs enttäuschten, wird es für die Ermstäler dennoch höchste Zeit, dass die WM-Pause kommt. Denn der TVN meldete kurz vor dem Weihnachtsfest Personalnotstand. Nico Büdel fiel auch gegen Magdeburg wegen einer Ellenbogen-Verletzung aus, Dominik Eisele hat es in der Partie gegen Gummersbach noch schlimmer erwischt. Ein Kreuzbandriss bedeutet das Saisonende für den 21-Jährigen, der per Zweitspielrecht beim TVN aushalf. Da bekanntlich Philipp Seitle nach Leipzig zurückkehrte, wird man nicht umhin kommen, in der Bundesliga-Pause nach einer Ergänzung für den Rückraum Ausschau zu halten Zwei Bedingungen: Der TVN muss sich den Neuen leisten können, der zudem zur Mannschaft passen sollte.

Immerhin konnte der angeschlagene Andreas Schröder gestern gegen Magdeburg mitwirken, erwischte allerdings keinen Galaabend. "Das war nicht mein bester Tag. Leider leisteten wir uns Schwächephasen in der zweiten Halbzeit, die uns zurückwarfen. Allerdings boten die Magdeburger eine starke Leistung, gegen solch eine starke Abwehr mit einem derart kompakten 6:0-Deckungsverband mussten wir bisher noch nicht antreten", ließ Blondschopf Schröder wissen.

TVN-Trainer Markus Gaugisch war trotz der Niederlage zum Abschluss des Kalenderjahrs nicht niedergeschlagen: "Über weite Strecken war ich zufrieden mit unserer Vorstellung gegen den SCM. Die Magdeburger sind halt eine verdammt routinierte Truppe. Ihnen gelangen viele Tore durch die Mitte - hätten wir dies konsequent verhindert, wären sie aber über die Außen durchgebrochen. Der SCM hat mit seinem hohen Tempo beeindruckt und konnte immer zulegen, wenn dies erforderlich war. Meine Mannschaft zeigte sich zwar als intaktes Team, aber diesmal hat eben nicht alles zu hundert Prozent gepasst."

In der Tat - und es fing schon beim Torwart an. Thomas Bauer räumte bereits nach zwölf Minuten seinen Kasten für Magnus Becker, der in der Folgezeit zwar mehr Glück bei seinen Paraden hatte, aber auch nicht verhindern konnte, dass die Gäste immer wieder Lücken in der Neuhäuser Abwehr fanden. SCM-Spielmacher Stian Tönnesen zog primär im ersten Durchgang mustergültig die Fäden, Stefan Kneer oder Moritz Schäpsmeier wandelten seine Ideen in Tore um. Eine Führung warfen die Neuhäuser in der gesamten Partie zu keinem Zeitpunkt heraus. Neben den engen Spielständen in der Startphase der Partie rückten sie den gestern in weiß gedressten grün-roten Sachsen-Anhaltern mehrmals im fortgeschrittenen Matchgeschehen eng auf die Pelle - beispielsweise beim 10:11 (22. Minute) oder 15:16 nach 33 Zeigerumdrehungen.

Dass die rasante Fahrt auf dem Gladiatoren-Streitwagen durch die Arena dann beim 15:22 (39.) wie eingangs beschrieben endete, hatte fatale Auswirkungen auf den Spielausgang. Der TVN kippte aus der Spur, die Magdeburger triumphierten. Selbst ein stark aufspielender Ferdinand Michalik konnte nur noch zu Ergebnisverkürzungen auf bis zu vier Tore (23:27 in der 53. und 26:30 in der 58. Minute) beitragen.

TVN-Kreisläufer Alexander Becker war hinterher enttäuscht: "Wir wollten wie gegen den HSV Hamburg punkten und hatten uns mehr erhofft. Doch wir begingen einfache Fehler und kassierten daher für den Gegner einfach zu erzielende Gegentore. Die Magdeburger weisen eben mehr Erfahrung als wir auf. Als wir den Rückstand auf vier Tore verkürzt hatten, keimte nochmals Hoffnung auf. Immerhin erreichten wir das Minimalziel, mit weniger als zehn Toren Differenz gegen dieses Topteam zu verlieren."

So spielten sie

TV Neuhausen: Bauer (bis 12., ab 42.), Becker (12. - 42.) - Theilinger (2), Becker (2), Schuldt (2), Keinath (3/2), Trost (3), Reusch, Schiller (2/2), Michalik (5), Möck (1), Schröder (3), Bader (3).

SC Magdeburg: Gustavsson, Eijlers - Wiegert (2), Kneer (4), Rojewski (2), Landsberg (1), van Olphen (2), Hornke (4), Grafenhorst (3), Tönnesen (3), Schäpsmeier (5), P. Weber (1), R. Weber (3), Jurecki (2).

Siebenmeter: 6/4 (Keinath und Schiller verwerfen bei ihren jeweils drei Versuchen je ein Mal) - SCM 0.

Zeitstrafen: Schuldt - Wiegert, Landsberg.

Schiedsrichter: Ralf Damian, Frank Wenz (Bingen, Mainz)

Zuschauer: 2217

ALEXANDER MAREIS WOLFGANG SEITZ | 22.12.2012