Ein Dreifach-Aufstieg wäre historisch

Zu Jahresbeginn hält auch die Abteilung Handball des TV Neuhausen ihre turnusmäßige Abteilungsversammlung ab. Die Zuschauerzahlen bereiten den Verantwortlichen Sorgen.

Freitagabend, Eugen-Rühle-Zimmer im Neuhäuser Bindhof, Anwurf 19.30 Uhr. Es handelt sich bei diesen Daten nicht um ein Indoor-Einlagenspiel der Neuhäuser Handballer, sondern um Zeitpunkt und Ort der alljährlichen Abteilungsversammlung. Diese eröffnete natürlich Abteilungsleiter Thomas Reusch. „Die Fusionierung der Verbände zum BWHV, dem baden-württembergischen Handballverband, treibt uns an und um“, sagt Reusch zur anstehenden Zusammenlegung der drei bisherigen Verbände Württemberg, Baden und Südbaden ab der kommenden Saison 2025/2026. Alles sei komplett neu: Staffeleinteilungen bei Aktiven und Jugend, die Schiedsrichtereinteilung und vieles mehr. „Das wird richtig spannend“, blickt der Abteilungsleiter voraus. Künftig werde man wohl mehr Richtung Esslingen/Teck und Region Göppingen unterwegs sein – zumindest in der Jugend. Bei den Aktiven müssen auch noch die sportlichen Entwicklungen abgewartet werden: Aktuell sieht das prächtig aus. Alle drei aktiven Teams sind in ihren Ligen – Bezirksliga, Bezirksoberliga und Oberliga – auf dem ersten Platz gelistet. Es winkt also ein Dreifach-Aufstieg. „So etwas hätte es in Neuhausen noch nicht gegeben“, freut sich Reusch. Doch noch sind einige Spiele zu bestreiten, wenngleich es bei allen drei Mannschaften gut aussieht. Auch der sportliche Leiter Markus Bühner war zufrieden mit dem Saisonverlauf, großteils auch mit dem aus der Vorsaison 2023/2024. Die dritte Männermannschaft stieg zum zweiten Mal in Reihe auf. Der TVN II unter Regie von Ferdinand Michalik schaffte es in die Aufstiegs-Relegation. Hier übt rückblickend Bühner harsche Kritik am Verband: „Das war eine Farce. Sechs Teams haben teilgenommen und keiner durfte aufsteigen.“ Deshalb wolle man in dieser Saison eben direkt über den ersten Platz alles klar machen – aktuell ist der TVN II hier auf Kurs. Mit dem TVN I unter Mike Leibssle reichte es in der Vorsaison auf Rang vier. Nun läuft es in der aktuellen Runde bestens – von einer Schwächephase im November einmal abgesehen. „Gemeinsam haben wir diese Situation aber gemeistert“, so Bühner. Nun gelte es, weiter Vollgas zu geben, keine Angst vor der Tabellenführung zu haben. „Wir haben Bock drauf, das Ziel ist der Aufstieg in die Regionalliga“, macht der sportliche Leiter die Ambitionen des TV Neuhausen für den Rest der Saison klar.

Nicht zwangsläufig gut ist die Lage bei den verkauften Dauerkarten für die laufende Saison. Der sei nochmals zurückgegangen, klagt der Abteilungschef. Auch sonst brauche es bei den Heimspielen nicht immer die kompletten Tribünen. Man habe sich schon Gedanken gemacht, hier gegenzusteuern. „Spiele am Freitagabend oder Sonntagmittag haben schon etwas gebracht“, beobachtet Reusch. Aber klar sei: „Wir wollen mehr Zuschauer erreichen.“ Das gehe nur über attraktiven Handball – den zeigt man in dieser Saison ja meistens, sonst wären die Neuhäuser nicht Tabellenführer in allen drei Ligen. Ein weiteres Dilemma für die Ermstäler, wie für viele andere Vereine auch, ist das Thema Schiedsrichter. Hier herrscht chronischer Mangel, ist aber unverzichtbar. „Ohne Schiedsrichter wird kein Spiel angepfiffen“, ruft Thomas Reusch in Erinnerung. Wer hier Ideen habe, sei jederzeit willkommen, diese einzubringen, wendet er sich direkt an die abteilungseigenen Mitglieder. Apropos Mitglieder: 376 sind es aktuell. Damit wurde der Abwärtstrend aus den Vorjahren, als bisweilen nur knapp mehr als 300 zu verzeichnen waren, gestoppt. Besonders erfreulich daran: „Viele sind aus den Minis und der Jugend. Es kommt also viel von unten nach.“

Die Jugend ist auch in dieser Saison der Unterbau bei den Neuhäusern. Höchst erfreulich: „In dieser Saison konnten wir in allen Jugendbereichen eine Mannschaft stellen“, freut sich Vorstandskollege Ulrich Neubrander, der den Bericht stellvertretend für den verhinderten Dirk Ackermann verliest. Das sei „seit der Auflösung der JSG Echaz-Erms erstmals gelungen“, heißt es im Bericht. Kleiner Wermutstropfen: In der kommenden Saison wird das schon wieder nicht mehr gelingen, weil es für die B-Jugend zu wenige Spieler gibt – hier wollen die Neuhäuser Verantwortlichen dann zwei A-Jugenden melden. Die Teams machen sich in ihren jeweiligen Ligen und Qualifikationen gut, teils hat man aber damit zu kämpfen, dass zum Beispiel die C-Jugend großteils aus dem jüngeren Jahrgang besteht. In dieser Saison ein Nachteil, eine Runde später dann ein Vorteil. Grundsätzlich ist man in Neuhausen stolz auf die Jugendarbeit, immer wieder schaffen Talente den Sprung in die aktiven Mannschaften. Gerade auch von ganz unten kommen viele handballbegeisterte Kinder nach. „Wir haben riesigen Zulauf bei der E-Jugend“, vermeldet Neubrander. Jetzt gelte es natürlich, das bis in die höheren Teams fortzusetzen.

Fehlt noch der Blick auf die Finanzen: Die Aufwendungen für den Spielbetrieb übersteigen die Einnahmen etwas, berichtet Kassier Sascha Reusch. Hier schlägt sich dann eben der verminderte Zuschauerstrom nieder. Grund zur Sorge gibt es aber nicht: „Wir haben genügend Rücklagen aus früheren Spielzeiten. Wir können uns so ein Defizit ein paar Jahre leisten.“ Freilich ist aber das Ziel, Stichwort Zuschauer, diesen Trend wieder umzukehren. Voll des Lobes ist dann noch der stellvertretende Ortsvorsteher Klaus Rümmelin, der anerkennt, dass der hier sitzende Abteilungsvorstand den Neuhäuser Handball wieder „auf einen stabilen Sockel gestellt hat“. In der Jugend gewinne man „die kleinen Herzen für den Handballsport“, so Rümmelin, der zudem betont, dass dem gesamten Ortschaftsrat der Handball ein wichtiges Anliegen ist. Das Gremium sehe den Handball als zentralen Bestandteil der Gesellschaft in der Gemeinde. Das zeige sich auch an den zahlreichen Einsätzen der Neuhäuser Handballer – sei es beim der Markungsputzete, der Altpapiersammlung oder auch beim Dorfhock. Rümmelin hat am Ende noch eine Vision und ein Relikt aus vergangenen Zeiten im Gepäck: Ein Trikot aus der 2. Bundesliga. „Wär schon mal wieder schön“, so seine Botschaft. Beim TV Neuhausen arbeitet man daran – zumindest stimmt die Richtung.

Und für diesen Weg bleibt auch die Abteilungsführung die gleiche. Thomas Reusch wird einstimmig für zwei weitere Jahre gewählt, auch Kassier Sascha Reusch bleibt im Amt. Benjamin Schweizer und Ulrich Neubrander haben noch ein Jahr ihrer laufenden Amtszeit vor sich, da beim TVN stets versetzt gewählt wird. Angesichts der sportlichen Erfolge ist die einstimmige Entlastung des gesamten Vorstands im Grunde ein Tempogegenstoß ohne Abwehr. Nach der Versammlung folgt dann auch, wie bei den Handballspielen selbst üblich, die dritte Halbzeit im Eugen-Rühle-Zimmer und die Neuhäuser Ballwerfer saßen noch bei Gesprächen und Getränken länger zusammen.

buxx

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